Anleger suchen Ausweg aus Dubai-Fonds

Dubai: Luftschlösser für Kapitalanleger / Quelle: Fotolia
Dubai: Luftschlösser für Kapitalanleger / Quelle: Fotolia

Die Finanzkrise in Dubai hat auch Kapitalanleger aufgeschreckt, die vom Bauboom am Persischen Golf profitieren wollten und in so genannte Dubai-Fonds investiert haben. Prüfen jetzt die Anleger den Ausstieg aus den nach Boris Becker und Michael Schumacher benannten Dubai-Towers des Fondsinitiators ACI?

„Spätestens jetzt werden viele Anleger bereuen, dass sie sich auf Dubai-Fonds eingelassen haben. Die vermeintlichen Renditebringer vom Golf entpuppen sich als Renditekiller. Auch bei den Dubai Towers, die mit den Namen von Boris Becker oder Michael Schuhmacher aufgehübscht und von Fondsinitiator ACI unters Volk gebracht wurden, zeigt sich: Eine weitere Spekulationsblase ist geplatzt“, sagt Rechtsanwalt Hartmut Göddecke, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Siegburg.

Die Kanzlei Göddecke vertritt Anleger, die in Dubai-Fonds der Marke ACI investiert haben und jetzt nach einem Ausweg suchen oder ihre Ansprüche auf Schadensersatz prüfen. Dass diese Dubai-Fonds den Anlegern keine Freude mehr machen, hat einen guten Grund. Die Anleger der Fonds II – V mussten vor dem Hintergrund des auslaufenden Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Dubai und Deutschland Ende 2008 mit dem Verlust von Steuervorteilen rechnen. Das ACI-Management gab vor, diesen Verlust verhindern zu können. Ende 2008 meldete ACI einen scheinbaren Erfolg: Die Fonds-Immobilien wurden noch während der Bauzeit verkauft. Im Frühjahr 2009 musste ACI zugeben, dass der Verkauf faktisch geplatzt war. Statt aber den säumigen Käufer zur Kasse zu bitten, arbeitet die Geschäftsführung der ACI-Fonds offenbar daran, die Verträge ohne Vertragsstrafen rückabzuwickeln. Warum?

Rechtsanwalt Hartmut Göddecke gibt eine plausible Antwort: „Dieser angebliche Verkauf war vermutlich ein faules Spiel. Zumindest gibt es ein paar obskure personelle Verflechtungen zwischen ACI und dem angeblichen Käufer. Die YAMA International gehört ausgerechnet einem Herren, der auch bei mehreren ACI-Unternehmen in Dubai die Mehrheit hält. Vor diesem Hintergrund wird doch jedem klar, warum ACI beim Käufer offensichtlich nicht einmal ansatzweise Druck auf den Käufer ausgeübt hat.“ Das Nachsehen haben die Anleger. Auf den Baustellen der Dubai-Towers passiert jedenfalls seit Monaten nichts mehr. Die Immobilien laufen Gefahr, zu riesigen Investmentruinen zu werden.

Der Sanierungsbedarf von ACI-Fonds ist seit Monaten offensichtlich. Doch vom Management können die Anleger offenbar keine Hilfe erwarten. „Die Notlage der  ACI Fonds II – V lässt sich seit Sommer nicht mehr leugnen. Trotzdem redet das Management die Probleme klein, verbreitet Schönwetterstimmung und behauptet, man würde das Schiff schon schaukeln“, sagt Göddecke.

Das Gegenteil ist der Fall. „Statt sofort mit der Sanierung der Fonds zu beginnen, hat das Fondsmanagement von ACI mit einem rechtlich zweifelhaften Beschluss erst einmal die eigene Vergütung erhöht. Auf das Vierfache! Das sollte jedem Anleger die Augen öffnen, dass er es mit keinen Freunden zu tun hat“, so Göddecke. Der Siegburger Rechtsanwalt rät Anlegern, sich so schnell wie möglich von dem (Miss)Management zu trennen.

Noch besser ist es, sich gleich vom Fonds zu trennen. Tatsächlich bietet sich Anlegern mit etwas Glück eine Hintertür, um aus der Sache nachträglich noch auszusteigen. „Eine Ausstiegschance bietet sich Anlegern zum Beispiel, wenn sie den Fonds in einer so genannten Haustürsituation abgeschlossen haben, aber vom Anlageberater nicht wirksam über ihr Widerrufsrecht belehrt wurden“, erklärt Rechtsanwalt Göddecke.

Von einer typischen Haustürsituation ist die Rede, wenn der Anlageberater die Initiative ergreift, seinen Kunden zum wesentlichen Verkaufsgespräch heimsucht und ihm den Fonds dort anbietet. Ob zu Hause oder im Büro spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass der Anlageberater seinen Kunden darüber aufklären muss, dass der Kunde ein zweiwöchiges Widerrufsrecht hat. „Genau hier machen Anlageberater oft Fehler“, sagt Göddecke, „auch beim Verkauf von Dubai-Fonds sind uns unwirksame Widerrufsbelehrungen aufgefallen. Für die Anleger ist das im Nachhinein ein Glücksfall. Denn dann greift die Zweiwochenfrist nicht.  Die Anleger können ihre Verträge bei falscher Widerrufsbelehrung also auch Jahre später noch widerrufen“, erklärt Göddecke.

Wer aus seiner Fonds-Beteiligung nicht aussteigen kann, hat mitunter die Möglichkeit, seinen Anlageberater zur Kasse zu bitten. „Das ist möglich, wenn der Anlageberater gegen seine Aufklärungspflichten verstoßen hat. Anlageberater müssen ihren Kunden reinen Wein einschenken und vor Vertragsabschluss alle Informationen auf den Tisch legen, die der Kunde für seine Entscheidung braucht. Wer dem Anleger etwas verschweigt, haftet später für den Schaden“, sagt der Anwalt.

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