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Hochkonjunktur für Arbeitsrecht

In der Wirtschaftskrise haben Rechtsanwälte für Arbeitsrecht Hochkonjunktur. Der Grund: “Immer mehr Unternehmen prüfen mit Hilfe von Rechtsanwälten, wie sie die Rezession meistern können”, berichtet Dirk Schreiner, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht aus Attendorn im Sauerland. Für die Arbeitnehmer heißt das: Sie müssen sich auf Kurzarbeit, Lohnkürzung und eine neue Kündigungswelle einstellen. Diese wird den Markt im Herbst 2009 erreichen.

Die Auftragslage der Arbeitsrechtler zieht seit Oktober deutlich an. “Wir haben rund 30 Prozent mehr Arbeit als in der ersten Jahreshälfte”, sagt Kanzleichef Schreiner. Die Anwaltskanzlei Dr. Schreiner + Partner berät ausschließlich Arbeitgeber. Sie gehört mit 15 Rechtsanwälten an sieben Standorten zu den bundesweit beratenden Spezialkanzleien für Arbeitsrecht. Vor allem produzierende Unternehmen wie Automobilzulieferer, Chemie- oder Metallindustrie rüsten sich aktuell mit der Hilfe von Juristen für den wirtschaftlichen Abschwung. “Viele Arbeitgeber fühlen sich unter Zeitdruck und wollen unbedingt noch in diesem Jahr etwas machen, um die Personalkosten zu reduzieren”, so Schreiner.

Krisenbewältigung mit allen Mitteln

Dabei lässt die Krisenbewältigung der Unternehmen nichts aus, was das Arbeitsrecht hergibt. (Weitere Details lesen Sie in: “Werkzeugkasten für Arbeitgeber“).

Zu den kurzfristig wirkenden Maßnahmen gehört zum Beispiel die Kürzung von freiwilligen Leistungen wie Weihnachtsgeld oder Boni. “Darüber denken alle Arbeitsgeber nach”, sagt Rechtsanwalt Schreiner aus Attendorn.

Selbst die Arbeitsgeberverbände müssen sich auf einen Aderlass einstellen. “Viele Unternehmen planen, kurzfristig aus ihrem Arbeitgeberverband auszutreten, damit Sie die nächste Tarifrunde nicht erwischt”, erklärt Rechtsanwalt Schreiner. Dahinter steckt die Befürchtung, “dass sich die nächsten Tarifverhandlungen nur an der Vergangenheit orientieren und die Unternehmen in der Krise unverhältnismäßig hoch belasten.”

Aber es geht in den Unternehmen auch um Personalabbau. Geplant sind vor allem betriebsbedingte Kündigungen im Zuge von Umstrukturierungen. Wenn Unternehmen schlankere Strukturen schaffen, etwa Betriebsteile zusammenlegen oder Hierarchieebenen streichen, hat das auch arbeitsrechtlich Vorteile. “Betriebsbedingte Kündigungen lassen sich im Zuge von gestaltenden Unternehmerentscheidungen leichter durchsetzen” erklärt Rechtsanwalt Schreiner. In der Krise rückt auch die krankheitsbedingte Kündigung wieder stärker ins Blickfeld. “Die Unternehmen haben ihren Krankenstand in den letzten Jahren stark vernachlässigt”, sagt Schreiner, “jetzt kommt dieses Potential auf den Prüfstand.”

Frühwarnsystem für den Arbeitsmarkt

Der Nachfrageanstieg bei Arbeitsrechtlern ist ein Frühwarnsystem für den Arbeitsmarkt. Die Logik: Zuerst kommt die Beratung, dann folgen die Entlassungen. Für Arbeitnehmer heißt das wiederum, dass sie sich auf Kurzarbeit, Lohnkürzung und eine neue Kündigungswelle einstellen müssen.

Bis die Kündigungen am Arbeitsmarkt durchschlagen, kann es noch etwas dauern. “In spätestens neun Monaten wissen wir mehr” sagt Schreiner. Bis dahin müssen sich die Unternehmen mit den Betriebsräten abstimmen, anschließend sorgt die Kündigungsfrist für Verzögerung.

Nach der Karenzzeit wird sich zeigen, wie zutreffend die jüngste Prognose des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage war. Die Wissenschaftler prognostizieren in ihrem Gutachten nur einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit von 3,27 Millionen auf 3,3 Millionen Arbeitslose. Schreiner ist skeptisch. Was er und seine Kollegen als Rechtsanwälte für Arbeitsrecht aktuell von Arbeitgebern aus erster Hand erfahren, lässt schlimmeres befürchten. “Die Spannbreite reicht von Unternehmen, die sich bei der Entlassung auf besonders gut bezahlte Arbeitskräfte konzentrieren, bis hin zu Mittelständlern, die ihren Personalbestand um 10 bis 15 Prozent abbauen wollen.”

Die Reaktion der Arbeitgeber auf die Wirtschaftskrise fällt laut Schreiner besonders heftig aus. “Im Vergleich zu früheren Rezessionen herrscht diesmal regelrecht Panik”, so der Rechtsanwalt aus dem Sauerland.

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